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Schmerzklinik ist nach § 40 SGB V von allen gesetzlichen Krankenkassen als Rehabilitationseinrichtung anerkannt und auch beihilfefähig (OPS 8-918).
Auch private Krankenversicherungen übernehmen i.d.R. die Kosten (gemischte Krankenanstalt).

TORTIKOLLIS
Tortikolis

Manche Autoren schreiben diesen Begriff auch nur mit einem l (Tortikolis)

Mit Tortikollis (Torticoll is) wird der Schief hals bzw. die Schiefhaltung des Kopfes bezeichnet. Der Begriff "Tortikollis" beschreibt nur das Symptom (= Krankheitszeichen), nicht aber die Ursache. Diese kann angeboren oder aber erworben sein.
Allerdings gibt es auch den psychogenen (= psychisch bedingten) Tortikollis (Tor ticollis mentalis). Dabei wird infolge eines Tics der
Kopf zur Seite gedreht und zur Schulter herabgezogen.

Tortikollis -Formen mit organischer Ursache

  1. Spastischer Tortikollis (Tor ticollis spasticus)
    Weitere Synonyme (= weiter Bezeichnungen) für dieses Krankheitsbild sind: Tor ticollis spasmodicus, Caput obst ipum (hyperkinetische Bewegung sstörung).
    Es liegen Spasmen
    (= Verkrampfungen) der Hals muskeln vor, hauptsächlich der Kopfnicker. Der spastische Schief hals tritt öfters nach frühkindlichen Hirnschäden oder Enzephalitis (= Gehirnentzündung) auf.

  2. Neurogener Tortikollis bei auf Nacken - und Halsmuskeln begrenzter Torsionsdystonie (= seltene Erbkrankheit mit Koordinationsstörungen), der sog. Tic rotatoire.

    Therapeutisch kann bei 1) und 2) ein Versuch mit Botulinustoxin (= ein Nahrungsmittelgift) unternommen werden. Die Wirkung beruht auf einer Entkrampfung der im Schmerz bereich krankhaft übererregten Muskeln.
    Öfters ist auch ein Behandlungsversuch mit dem zentralen (= im
    Rücken mark / Gehirn wirkenden) Muskelrelaxans (= Mittel zur Muskelentspannung) Baclofen lohnend.

  3. Angeborener muskulärer Tortikollis (Tor ticollis muscularis congenitus)
    Meist infolge einseitiger, angeborener Fehlbildung (Verkürzung) des M. sternocleidomastoideus (= schräg verlaufender Halsmuskel), oft auch nach geburtstraumatischem (= Verletzung bei der Geburt) Muskelriß und hämatombedingt (= bedingt durch einen Bluterguß).
    Es besteht eine typische Neigung des Kopfes zur kranken, des Kinns zur gesunden Seite bei verkürztem Mus kel. Später kommt es zu einer Schädelasymmetrie (Gesicht s skoliose) und Skoliose (= Seitausbiegung, Wirbelsäulenverkrümmung) der
    Halswirbelsäule.
    Therapie
    : Im 1. Lebensjahr Lagerung des Kopfes in natürlicher Stellung und passive Dehnungsübungen. Falls diese Maßnahmen nicht erfolgreich sind, wird man sich zur Operation entschließen.

  4. Ossärer (= die Knochen betreffender) Tortikollis (Tor ticollis osseus, Kurzhals)
    Angeboren als Klippel-Feil Syndrom mit Blockwirbel (= Verschmelzung von 2 oder mehr Wirbelkörpern) und Kurzhals.
    Ein ossärer
    Tortikollis kann auch nach Wirbelbrüchen, die in Fehlstellung verheilen, auftreten.

  5. Atlanto-epistrophealer Tortikollis (Grisel Syndrom)
    Synonyme
    (= weitere Bezeichnungen): Tor ticollis atlantoepistrophealis, Tor ticollis Infectiosus (postinfektiöser Schief hals)
    Nach Entzündungen des
    Nase n- Rachen-Raums vorkommender schmerzhafter Schief hals durch Verdrehung u. seitliche Luxation (= Verrenkung) des Atlas im Atlantoaxialgelenk (= Verbindung zwischen HWK1 und 2).

  6. Aurikulärer Tortikollis: Infolge Irritation des Musculus sternocleidomastoideus (= schräg verlaufender Halsmuskel) bei Otitis media (= Mittelohrentzündung).

  7. Kutaner Tortikollis: Durch Hautnarbenzug z.B. nach einer Verbrennung.

  8. Okulärer Tortikollis: Als Folge einer Augenmuskellähmung mit typischer kompensatorischer Kopfhaltung zur Vermeidung von Doppelbildern.

  9. Akuter Tortikollis (Tor ticollis acutus)
    Das sog. Zervikalsyndrom (oft auch als HW S-Syndrom oder Schulter-Arm-Syndrom bzw. Nacken-Schulter-Arm-Syndrom bezeichnet)
    ist ein Sammelbegriff für Störungen verschiedenster Ursachen im Bereich des Halses, des Schultergürtels und der Arme. Die mit Abstand häufigste Ursache sind von der Halswirbelsäule ausgehende Störungen, hauptsächlich im Bereich der gelenkigen Wirbelverbindungen, die sog. "Wirbelblockierungen". In der Regel klagen die Patienten über Nackenschmerzen, die in die Schu ltern, manchmal bis in die Ar me und/oder auch in den Hinterkopf (z.T. bis zur Stirn) ausstrahlen können. Meist ist die Muskulatur neben der Wirbelsäule verhärtet, häufig verbunden mit einer schmerzhaft eingeschränkten Kopfbeweglichkeit. Vielfach besteht auch Klopfschmerzhaftigkeit über den Dornfortsätzen der Halswir belsäule.
    Heftigste Schmerzzustände mit Muskelhartspann und dadurch erzwungener Fehlhaltung (Schiefhaltung) werden als „akuter
    Tortikollis“ bezeichnet. Der Übergang in eine chronische Form ist nicht selten.

In der Regel kommt eine Schmerztherapie nur bei den erworbenen Tortikollis -Formen in Frage, v. a. bei von der Halswir belsäule ausgehenden Störungen (Halswirbelsäulensyndrom). Werden doch nichtselten bei uns Patienten mit einem Tor ticol lis behandelt, bei denen Botulinum nicht angeschlagen hat oder korrigierende Operationen nicht zu einer Schmerz linderung führten.

Medikamentöse Schmerzbehandlung

Akut (= plötzlich einsetzend, heftig) und subakut (= eher schleichend verlaufend) können zunächst (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika (= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (= Rheuma mittel), aus dieser Gruppe möglichst lang wirkende und magen schonende wie z.B. Meloxicam. Besonders magenschonend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib oder Etoricoxib, allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Gerade bei einem Tortikollis ist darüber hinaus auch die Verordnung von Muskel relaxanzien (= Mittel zur Entspannung von Muskeln) (z.B. Orphenadrin, Tolperison) sinnvoll.
Manchmal sind aber die Schmerz
zustände nur mit zentral wirkenden Analgetika ((z.B. Tramadol, Tilidin, Oxycodon (Tilidin oder Oxycodon auch kombiniert mit Naloxon) oder Morphin)) (= im Gehirn bzw. Rücken mark wirkende Schmerzmittel) beherrschbar.
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (= Mittel gegen Depression, aber auch bei diesen Sch merzen hilfreich) (z.B. Doxepin, Maprotilin) oder auch Neuroleptika hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.

Bei persistierenden (= weiter bestehenden) Schmerz en sollten rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika) in Form von lokalen Betäubungen, Leitungs- und Grenzstrangblockaden.

Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei diesen Blockadebehandlungen auch die sog. vegetativen Ner ven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert. Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethoden besonders bei Schmerzen, die auf eine verminderte Blutversorgung, auf entzündliche oder auch degenerative Prozesse zurückzuführen sind, hilfreich sind.

Grenzstrangblockaden bzw. Sympathikusblockade n:
Beim schmerzhaften Tortikollis ist auch die wiederholte Blockade des Ganglion stellatum
(= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich) sehr hilfreich.

Daß Lokalanästhetika (= örtliche Betäubungsmittel) auch entzündungshemmend wirken, ist zwischenzeitlich wissenschaftlich erwiesen. Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, so klicken Sie hier.

Laut der Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit haben alle Versicherte (also auch ältere Patienten) einer gesetzlichen Krankenkasse einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation und können sich ihre Rehabilitationseinrichtung sogar selbst aussuchen. Das Bundesgesundheitsministerium schrieb dazu auch einen Brief an die Aufsichtsbehörden. Dieses Wahlrecht wird mittlerweile auch durch Urteile von Landessozialgerichten bestätigt: Baden-Württemberg (Az: L 4 KR 2071/05) und Hessen ((Az.: L 1 KR 2/05: Gewährt eine Krankenkasse einem Versicherten einen Aufenthalt in einer Reha-Klinik, so ist sie dazu verpflichtet, die Wünsche des Versicherten in Bezug auf die Einrichtung zu berücksichtigen (eine Revision gegen diese Entscheidung ließ das Gericht gar nicht erst zu)). Der Kläger hatte die Kur noch während des laufenden Prozesses in der von ihm bevorzugten Einrichtung auf eigene Kosten angetreten. Seine Krankenkasse wurde dazu verurteilt, ihm die Kosten für die Kur zu erstatten.

Kontakt mit einer Selbsthilfegruppe: http://www.dystonie.de/v2/content/316010.htm

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